5. Wirtschaftsteil

Der Wirtschaftsteil

Nutzung der Gebäude 1939 - 1945

Der Wirtschaftsteil des Arsenals beinhaltete Gebäude innerhalb und außerhalb des

Arsenalgeländes. Dazu gehörten das Wirtschaftsgebäude, zwei Bade- und

Umkleidehäuser sowie sechs Barackenlager: und zwar die Baracken der

„Stabskompanie“, das „Plöner Lager“, das „Italiener Lager“, das „Interniertenlager“, das

„Russenlager“ und das „Jugendheim“ (Baracke für Arbeiterinnen). Zu einem Lager

gehörten jeweils mehrere Wohnbaracken, eine Wirtschafts-, eine Wasch- und eine

Toilettenbaracke und ein oder mehrere Ställe, in denen Schweine gehalten wurden.

In der „Marinesiedlung“ lebten in 15 Doppelhäusern Arbeiter und Handwerker. Aus

Sicherheitsgründen war das Wohnen im Arsenalsgelände verboten.

Das Wirtschaftsgebäude, 1625 qm groß, hatte zwei Speisesäle, zwei Speiseräume,

2 Küchen, 3 Garderoben, 1 Verkaufsraum, 1 Essensausgabe, 1 Anrichteraum und 1

Lesezimmer. Im Dachgeschoß befanden sich 9 Wohnräume, Toilette und Dusche. Im

Keller waren 1 Vorratsraum und 1 Kühlraum sowie 2 Luftschutzräume für 76 Personen.

Nutzung der Gebäude ab 1945

Das Wirtschaftsgebäude wurde nach dem Krieg von den Besatzungseinheiten ebenfalls

für die Versorgung der Mannschaften und Offiziere genutzt. Von 1947 - 1954 befanden

sich dort Umschulungswerkstätten des Landesarbeitsamtes für Bauhandwerker.

Ab 1955 war es dann als „Wahlstedter Gilde“ das Kulturhaus der Gemeinde Wahlstedt

um dann auch 1960 im Rahmen der Privatisierung an die Firma Artur A. Erhoff verkauft zu

werden, die dort unter dem Label „erle zu“ (zierliche Frau) bis September 1975

europaweit bekannte Damenmode herstellte.

Danach verkaufte dort die Firma Holstein-Kristallerie bis März 2001 ein breites Sortiment

an Gläsern und Glasartikeln und beschäftigte dabei auch eigene Glasbläser und

-graveure. Ferner befand sich von 1988 - 1998 auf der Rückseite des Gebäudes auch das

Fahrrad- und Kfz-Zubehör- Geschäft sowie die Kfz-Werkstatt und die Autowaschstation

der Firma Lenhardt. Nach Verkauf der Immobilie an eine Textilfirma 1998 und

Teilvermietung an die Baptisten-Brüder-Gemeinde 2001 erwarb diese die

Gesamtimmobilie im Sommer 2014 um sie anschließend nach und nach zu renovieren.

Sie wird bis heute als Bethaus genutzt.

Die von ehemaligen Arsenalsangehörigen bewohnten Doppelhäuser der Marinesiedlung

wurden von Juli 1945 bis August 1946 von der Militärregierung konfisziert, um einem

polnischen Freiwilligen-Truppenteil zur Verfügung gestellt zu werden.

Danach konnten die Wohnungen und Doppelhaushälften von jedermann gemietet und

gekauft werden.

Die Barackenlager gab es zum Teil noch bis Anfang der 1960er Jahre, um als

notdürftiger Wohnraum zu dienen.

Aktuell 2025

Evangelische Brüder-Baptisten-Gemeinde, Dr.-Hermann-Lindrath-Straße 18, Wahlstedt