6. Munitionsinstandsetzung

Die Munitionsinstandsetzung

Nutzung der Gebäude 1939 - 1945

Zu den Aufgaben der Munitionsinstandsetzung gehörte:

1. die Untersuchung von eigener Munition und Fremdmunition

2. die Wiederherstellung von leeren Hülsen in zwei Hülsenwerkstätten und

einer dazugehörigen galvanischen Anstalt

Die beiden Munitions-Untersuchungsgebäude befanden sich in der heutigen Kronsheider Straße und Ihre Hauptaufgabe bestand in der Untersuchung der von der Front zurückkommenden Munition, und zwar: Zünder, Zündladungen, Hand- und

Maschinenwaffenmunition, Nahkampfmittel und Signalmunition.

Alle übrige anfallende Munition wurde von Zeit zu Zeit zwischen den laufenden Neufertigungen untersucht.

Für die Wiederherstellung von leeren Hülsen bei einer täglichen Arbeitszeit von 8

Stunden lag die Tageskapazität

- der (auf dem heutigen Grundstück der Glaswerke als Halle 13 gelegenen) großen

Hülsenwerkstatt bei 5.400 8,8cm-Kartusch-Hülsen, 800 12,7bis20,3cm-Kart.-Hülsen

sowie 160 21bis40,6cm-Kart.-Hülsen

- und der (auf dem heutigen Arko-Grundstück gelegenen) kleinen Hülsenwerkstatt bei

11000 2cm-Patronen-Hülsen und 6500 3,7cm-Patronen-Hülsen

- sowie die Kapazität der Galvanik bei der Verzinkung von 19.750 qm Hülsenoberfläche

pro Tag.

Neben den Werkstätten befanden sich jeweils die entsprechenden (das kleine bzw. das große) Hülsenlager. Daneben gab es noch ein Lager für die noch ungereinigten Hülsen. Für die anfallenden und zum Teil chemisch verunreinigten Abwässer hatte man neben einer mechanischen Kläranlage mit biologischer Nachbehandlung und zwei Sickerfeldern auch jeweils bei Entgiftungsanlage.

1945 - 1947 Entmilitarisierung und Arsenalsauflösung

Nutzung ab 1947 Mieter und Eigentümer

Bereits 1947 nahm die neu gegründete Norddeutsche Hohlglasindustrie Hermann Bulle GmbH den Betrieb in der großen Hülsenwerkstatt mit der Fertigung von Pressglas, Hausgebrauchs- und Wirtschaftsglas auf. Zum Betrieb kamen anschließend die

folgenden Arsenalsgebäude hinzu: großes Hülsenlager, Galvanisierung, Badehaus, Lokschuppen, Pulverschneider, Entmessigung, Kompressoranlage, 10,5cm- Munitionsfertigungsgebäude. 1956 wurde der Betrieb an Hans Herfried Tüxen verkauft, weitere Besitzer waren Nienburger Glas und Rexam.

In Wahlstedt wird ausschließlich Weißglas für die Getränke- und die Nahrungsmittelindustrie hergestellt.

Die kleine Hülsenwerkstatt nebst kleinem Hülsenlager sind Teil des Firmengeländes von Arko (siehe Tafel 8).

Während das eine der beiden Munitionsuntersuchungsgebäude der Erweiterung des Okal-Musterhaus-Zentrums „zum Opfer fiel“, wurde das andere Gebäude 1954 von Rosemarie Floss übrnommen, die es 1960 erwarb und um einen großen Anbau erweiterte.

In ihrem Betrieb wurde Jersey-Damen-Oberbekleidung, Kostüme, Hausanzüge, Mäntel und Damenunterwäsche hergestellt.

Übernommen wurde der Betrieb von Marlies Rautmann, die im „Jerseykeller“, einem Teil des Gebäudekomplexes, Damenmode und Zubehör veräußerte, während in einem anderen Teil die Firma Teegen und Glage einen Kfz-Reparatur und -Handelsbetrieb eingerichtete und noch betreibt.

Zwischenzeitlich wurde die Immobilie veräußert, der Anbau renoviert und dessen Obergeschoss weiterhin von der Tanzsparte gemietet, während das Untergeschoß als Eventraum gemietet werden kann und sich im ehemaligen Jersey-Keller eine Bar befindet.

Aktuell 2025

- Teegen/Glage, Kfz-Reparatur und -Handel

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